Über den Tellerand geschaut mit Thomas Makowka – Rechtsanwalt für Erbrecht

März 9th, 2016   •   Kommentare deaktiviert für Über den Tellerand geschaut mit Thomas Makowka – Rechtsanwalt für Erbrecht   

Einer der wichtigsten Bausteine einer gut gemachten Absicherungsstrategie ist die Erstellung einer Vollmacht. In unserer Rubrik Vollmachten & Verfügungen haben wir bereits intensiv über die Wichtigkeit von Vollmachten informiert. Wir wollen es jedoch etwas genauer wissen und haben uns mit Thomas Makowka unterhalten.

Thomas Makowka_Rechtsanwalt ErbrechtThomas Makowka ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er ist spezialisiert auf das Erbrecht, das Vorsorgerecht und alle die damit verbundenen Vermögensangelegenheiten.

Pänz Vorsorge:

Hallo Herr Makowka, vielen Dank, dass Sie sich für uns ein wenig Zeit genommen haben und unseren Lesern einen Einblick in die rechtliche Bedeutung von Vollmachten geben. Wie war Ihr bisheriger Werdegang hin zur Beratung zu erbrechtlichen Themen?

Thomas Makowka:

Begonnen habe ich meine berufliche Laufbahn als Rechtsanwalt in einer größeren Kanzlei. Dann habe ich mich für das Bankgeschäft interessiert. 20 Jahre lang habe ich als Syndikusanwalt und Führungskraft für eine große deutsche Bank gearbeitet.  Mit dem Erbrecht und dem Vorsorgerecht bin ich im Laufe der Zeit immer häufiger in Berührung gekommen – sowohl beruflich als auch im privaten Bereich, das heißt in der eigenen Familie und im Freundeskreis.  Ich habe gesehen, dass es leider immer noch viel zu wenig Wissen über erbrechtliche Themen gibt. Das betrifft sowohl die Testamentsgestaltung vor dem Erbfall, als auch die Abwicklung von Nachlässen nach dem Erbfall. Es besteht wirklich ein großer Beratungs-  und Aufklärungsbedarf. Zumal es in immer mehr Familien etwas zu vererben gibt. So habe ich mich entschlossen, mich auf dieses Gebiet zu spezialisieren und die Fachanwaltsausbildung zu machen.

Pänz Vorsorge:

In unseren Beratungsgesprächen und auf unserem Portal weisen wir auf die Wichtigkeit von Vollmachten hin. Ist dieses Thema bereits in der Bevölkerung angekommen oder gibt es da noch Nachholbedarf?

Thomas Makowka:

Die Wichtigkeit von Vollmachten in der Form der sogenannten Vorsorgevollmachten ist erst teilweise in der Bevölkerung angekommen. Auch hier gilt es, noch viel stärker aufzuklären. Insofern ist Ihr Hinweis jeweils goldrichtig. Ihre Kunden und deren Angehörige werden Ihnen dafür dankbar sein.

Pänz Vorsorge:

Welchen Zweck erfüllt eine Vollmacht und wer sollte diese unbedingt erstellen?

Thomas Makowka:

„Im Grunde sollte jeder eine Vorsorgevollmacht haben, egal ob jung oder alt, gesund oder krank, arm oder reich.“

Eine Vorsorgevollmacht errichtet man für den Fall, dass man rechtlich oder tatsächlich nicht mehr selbst für sich handeln kann. Das kann leider manchmal schneller gehen als man denkt. Auch bei gesunden Menschen kann ein Unfall oder eine plötzliche auftretende Krankheit wie Herzinfarkt oder Schlaganfall dazu führen, dass man nicht mehr für sich selbst handeln kann. Dann muss das Amtsgericht zwingend einen amtlichen Betreuer bestellen, der alle vermögensrechtlichen aber auch alle persönlichen Angelegenheiten für einen regelt. Um dies zu vermeiden, sollte man eine Vorsorgevollmacht errichten und nahestehende Personen, die man sich selbst aussucht und denen  man vertraut, eine solche Vollmacht erteilen.

Pänz Vorsorge:

Es existieren viele Irrtümer bezüglich einer Vollmacht. Welchen Irrtümern begegnen Sie in Ihrem Berufsalltag am häufigsten?

Thomas Makowka:

Der häufigste Irrtum ist, dass viele  Leute glauben, der Ehepartner könne im Notfall ihre Angelegenheiten regeln und alle notwendigen Entscheidungen treffen. Das ist falsch. Ohne entsprechende Vollmacht kann der Ehepartner weder über das  Vermögen verfügen noch kann er etwa im Krankenhaus gegenüber den Ärzten Entscheidungen treffen. Auch die eigenen Kinder können solche Entscheidungen ohne wirksame Vollmacht nicht treffen. Das gleiche gilt für Eltern in Bezug auf ihre volljährigen Kinder.

Pänz Vorsorge:

Eine Vollmacht kann Angehörige vor großem Stress und Ärger schützen. Welche Nachteile können sich ergeben, wenn man keine Vollmacht hat? Haben Sie ein Beispiel aus der Praxis?

Thomas Makowka:

Wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt, muss das Gericht eine Betreuung anordnen und einen Betreuer bestellen. Wenn man als Angehöriger rechtzeitig von der Notwendigkeit erfährt, kann man sich beim Betreuungsgericht melden und mit der entsprechenden Begründung darum bitten, als Betreuer bestellt zu werden. Aber selbst wenn das Gericht diesem Wunsch nachkommt, unterliegt der so bestellte Betreuer einer starken Kontrolle durch das Gericht. Er muss über alles Rechenschaft ablegen und in vielen Fällen die Zustimmung des Gerichts einholen, bevor er handeln darf. Das alles bleibt ihm bei einer privaten Vorsorgevollmacht erspart.

Pänz Vorsorge:

Wenn ein Kunde sich mit dem Thema Vollmachten auseinandersetzen will, was sollte er am besten tun? Eine Vollmacht erstellt man ja nicht mal eben so.

Thomas Makowka:

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich zu informieren. Viele Organisationen bieten ihre Hilfe an, es gibt umfangreiche  Literatur, und nicht zuletzt gibt es das Internet. Es kommt immer darauf an, wie viel Zeit jemand investieren will und wie sicher er sich im Umgang mit juristischen Themen fühlt. Wenn man Beratung in Anspruch nimmt, sollte man immer auf eine hohe Qualität und Seriosität achten. Eine schlecht gemachte Vorsorgevollmacht wirft mehr Probleme auf als sie löst. Die Angehörigen, die für einen später einmal sorgen sollen, haben dann das Nachsehen. Sicher wird es Sie nicht wundern, wenn ich empfehle, sich von einem Anwalt oder einem Notar beraten zu lassen. Damit hat man die Sicherheit, dass wirklich alle wichtigen Aspekte bei der Erstellung einer Vorsorgevollmacht berücksichtigt worden sind. Nach meiner Erfahrung gibt es auch bei diesem Thema keinen Standard. Jeder Fall ist anders. Professionelle Beratung kostet zwar Geld, ist aber die schnellste und sicherste Art und Weise zu einer wirksamen Vorsorgevollmacht zu kommen und dieses Thema dann erledigt zu haben.

Pänz Vorsorge:

Was sind die wichtigsten Bestandteile einer Vollmacht? Worauf sollte der Ersteller großen Wert legen?

Thomas Makowka:

Eine gute Vorsorgevollmacht umfasst mindestens drei, oft auch vier Elemente. Sie beinhaltet immer eine  Vollmacht in Vermögensangelegenheiten, eine Vollmacht in persönlichen Angelegenheiten und eine Betreuungsverfügung. Oft ist auch das vierte Element, nämlich eine Patientenverfügung enthalten. Die Vollmacht in Vermögensangelegenheiten versetzt den Bevollmächtigten in die Lage, alle notwendigen Rechtsgeschäfte zu tätigen, z.B. gegenüber Banken, Versicherungen, Krankenhäusern, Behörden und Privatpersonen. Mit der Vollmacht in persönlichen Angelegenheiten kann der Bevollmächtigte die erforderlichen Entscheidungen im Krankenhaus oder Pflegeheim treffen und z.B. den Aufenthaltsort des Hilfebedürftigen bestimmen. Die Betreuungsverfügung kommt zum Tragen, wenn ganz ausnahmsweise trotz Bestehens der Vollmacht eine gerichtliche Betreuung für bestimmte Aufgaben (z.B. die mit Zwang verbundene Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt) angeordnet werden muss. Dann kann der Vollmachtgeber grundsätzlich  bestimmen, wer  dieser Betreuer werden soll. Die Patientenverfügung schließlich regelt, was mit einem geschehen soll, wenn man sich in der Sterbephase befindet oder wenn wichtige Hirnfunktionen dauerhaft ausgefallen sind und keine Aussicht auf Besserung mehr besteht.

Pänz Vorsorge:

Wie kann man bei so einer Patientenverfügung am besten vorgehen?

Thomas Makowka:

Die Patientenverfügung ist der Teil der Vorsorgevollmacht, der einen persönlich am stärksten berührt. Hier muss man sich quasi mit seinem Lebensende auseinandersetzen. Dabei  ist sowohl medizinisches wie auch juristisches Wissen gefragt. Auch hier sollte man sich entsprechend beraten lassen. Für den medizinischen Teil sind die Hausärzte die erster Ansprechpartner. Aber auch hier warne ich davor irgendein Formular zu unterschreiben, bevor man nicht verstanden hat, was es im Einzelnen bedeutet und ob man genau das für sich selbst möchte, wenn man selbst nicht mehr in der Lage ist zu entscheiden. Nach meiner Erfahrung sollte eine Patientenverfügung eines jungen, gesunden Menschen anders aussehen als beispielsweise die eines unheilbar Kranken. Enorm wichtig ist, dass man über diese Dinge immer wieder mit demjenigen spricht, der später einmal die Entscheidungen treffen soll. Je sicherer der Bevollmächtigte weiß, wie sich der Patient in der konkreten Situation wohl selbst entschieden hätte, um so leichter fällt es ihm später einmal, die erforderlichen Entscheidungen zusammen mit den Ärzten zu treffen.

Pänz Vorsorge:

Wie sieht ein Gespräch mit einem Mandanten bei Ihnen aus, der sich zum Thema Vollmachten beraten lassen will?

Thomas Makowka:

Ein solches Gespräch ist immer sehr individuell. In der Regel  erörtern wir zunächst einmal die persönliche Situation. Dies sind die Familienverhältnisse und die Vermögensverhältnisse. Davon hängen Inhalt und Form der Vollmacht ab. In bestimmten Fällen empfehle  ich, eine Vollmacht notariell beurkunden zu lassen. Dann reden wir darüber, was die Vollmacht im Einzelfall bedeutet. Dabei kläre ich auch über die Risiken auf. Eine Vollmacht setzt nämlich großes Vertrauen zu dem Bevollmächtigten voraus. Möglicherweise sind Regelungen erforderlich, die den Gebrauch der Vollmacht einschränken oder die eine wirksame Kontrolle ermöglichen. Dann besprechen wir ausführlich den möglichen Inhalt der Patientenverfügung. Dabei weise ich immer darauf hin, dass es ganz wichtig ist, die richtige Person zu bevollmächtigen. Dies können für die unterschiedlichen Aufgaben durchaus unterschiedliche Personen sein. Es kommt sehr darauf an, inwieweit man dem Bevollmächtigten vertraut. Auch nützt es nichts, jemanden zu bevollmächtigen, dem man letztlich nicht zutraut, dass er sich im Notfall  für einen auch wirklich einsetzen kann. Wenn gewünscht, erstelle ich die erforderlichen Dokumente, so dass der Mandant dann hinsichtlich dieses Themas alles geregelt hat und es für sich mit einem guten Gefühl gedanklich beiseite legen kann.

Herr Makowka, wir danken Ihnen sehr für dieses Interview!

 

Thomas Makowka

Rechtsanwalt

Fürstenwall 154
40217 Düsseldorf

Internet: www.kanzlei-makowka.de

 

 

 

 

 

 

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